Thema der Woche

Wechseljahrbeschwerden

Hitzewallungen, Nervosität, Schweissausbrüche, Gewichtszunahme und immer weniger Lust auf Sex ab dem 50. Lebensjahr: Hallo Wechseljahre. Stimmt es, dass davon nur Frauen betroffen sind? Nicht ganz.

Wechseljahre (fachsprachlich Klimakterium) ist der Lebensabschnitt, wo das lästige Hormon-Pingpong beginnt: die Konzentration der Sexualhormone nimmt langsam ab, die Monatsblutungen bei Frauen werden unregelmässig bis diese gänzlich ausbleiben und keine Schwangerschaft mehr möglich ist. Regina Lutterbeck, Frauenärztin aus Berlin-Schöneberg erklärt: “Irgendwann kann das Eierstockgewebe keine Hormone mehr produzieren”. Das beginnt in der Regel ab Mitte 40. Solche Hormonumstellungen können sich auf jede Frau anders auswirken. Die typischen Symptome sind Hitzewallungen. Doch bei manchen Frauen kommt es auch zu anderen Beschwerden wie Überempfindlichkeit und Verletzlichkeit, Aggressivität und Nervosität, Erschöpfung und Depression, Leistungsabfall und Schlafprobleme. Nicht selten treten Libidoverlust und Scheidentrockenheit, Gewichtszunahme und Haarausfall, Bluthochdruck und Herzrasen sowie der sogenannte Damenbart im Gesicht auf. All das kommt daher, dass das Sexualhormon Östrogen an vielen Funktionen von Körper und Psyche beteiligt ist und seine Produktion allmählich sinkt.

Doch Wechseljahre können auch für Männer lästig sein. Überrascht? Ja, Männer erleben in diesem Alter auch eine hormonelle Umstellung. Doch bei Männern gibt es keine klare Grenze zwischen “vor” und “nach”. Klimakterium virile, oder Wechseljahre bei Männern, beginnen schleichend (manchmal schon ab einem Alter von Ende 30), wenn der Körper weniger männliches Sexualhormon Testosteron produziert – durchschnittlich um ein Prozent weniger mit jedem Jahr. Man nennt das Testosteron-Mangel-Syndrom. Die Männer beginnen mehr zu schwitzen und verlieren Muskelmasse. Es kommt zu einem vermehrten Haarausfall, Bauchfett lagert sich vermehrt ein. Nicht selten leidet man unter Erektions- und Konzentrationsproblemen, Müdigkeit, anhaltender Antriebslosigkeit und Nervosität, Knochen- und Gelenkbeschwerden und unter einer depressiven Gemütslage.

Obwohl Wechseljahre keine Krankheit sind, kann man lästige Beschwerden rund um die Wechseljahre loswerden. Diese Tipps helfen Ihnen durch die Wechseljahre.

  • Bauen Sie Stress ab. Es ist in dieser Zeit besonders wichtig, sich bewusst entspannen zu können. Es gibt verschiedene Methoden: Yoga, Atemtherapie, Autogenes Training, Muskelentspannungstraining nach Jacobson usw. Sie helfen, die Beschwerden wie depressive Verstimmung und Nervosität wesentlich zu lindern.

  • Schlafen Sie ausreichend. Sorgen Sie für eine bequeme Matratze und essen Sie nicht kurz vor dem Schlafengehen, um gut einschlafen zu können.

  • Bei Hitzewallungen kleiden Sie sich in mehreren Schichten, um die Kleidung bei Bedarf jederzeit der Körpertemperatur anpassen zu können. Bevorzugen Sie Kleidung aus Naturmaterialien oder atmungsaktiven Stoffen.

  • Bleiben Sie immer aktiv. Sie müssen nicht unbedingt zu einem Sportler werden, Sie können einfach häufiger an der frischen Luft spazieren gehen oder Treppen statt den Fahrstuhl nutzen. Schwimmen oder gelenkschonende Wassergymnastik, Saunagänge, Radfahren bringen Ihr Herz-Kreislauf-System in Schwung, fördern die Elastizität der Gefässe und verringern Hitzewallungen durch regelmässiges, kontrolliertes Schwitzen.

  • Ernähren Sie sich ausgewogen. Essen Sie viel Obst, Gemüse, Fisch und fettarmes Fleisch. Auf scharfes Essen sollten Sie sich eher verzichten, falls Sie unter Hitzewallungen leiden.

  • Sojabohnen enthalten pflanzliche Östrogene, die als eine sanfte Alternative zur Hormonersatztherapie dienen und die Häufigkeit von Hitzewallungen reduzieren können.

  • Trinken Sie mindestens zwei Liter Wasser, Mineralwasser, Saftschorle und Früchtetee pro Tag. Das bringt Ihren Stoffwechsel in Schwung und beugt trockener Haut vor.

  • Viel Bewegung im Alltag und eine gesunde Ernährung helfen, einer Gewichtszunahme vorzubeugen. Achten Sie darauf, Ihr Normalgewicht zu halten, da das Abnehmen mit den Jahren immer schwieriger wird.

  • Einige Pflanzen enthalten Phytohormone, die den weiblichen Hormonhaushalt regulieren können. Dazu gehören der Mönchspfeffer (Agnus castus) und die Trauben-Silberkerze (Cimicifuga racemosa). Konsultieren Sie Ihren Arzt, ob sich die Nahrungsergänzungen mit diesen Pflanzen für Sie gut eignen.

  • Haben Sie als Mann einen Testosteronmangel, hilft es, auf Rauchen zu verzichten, weniger Alkohol zu trinken, Sport zu treiben oder sich mindestens ausreichend zu bewegen, sich vitaminreich zu ernähren, für den Stressabbau zu sorgen und sexuell aktiv zu bleiben, um sinkendem Testosteronspiegel vorzubeugen.

  • Es gibt auch Pflanzen, die Wechseljahrbeschwerden bei Männern lindern können. Das sind Brennnessel, Johanniskraut und Melisse. Brennnessel sorgt für einen aktiven Stoffwechsel und soll Prostatavergrösserung vorbeugen. Johanniskraut und Melisse wirken beruhigend und helfen bei Schlafstörungen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob diese pflanzlichen Mittel Ihnen passen.

Mit diesen Tipps leben Sie auch in dieser Zeit gesund und positiv eingestellt und kommen viel leichter durch die Wechseljahre!

Fakten zum Thema

  1. Mindestens ein Drittel der Frauen leidet unter Wechseljahrbeschwerden. Die Symptome und ihre Intensität unterscheiden sich aber von Person zu Person.
  2. Durchschnittlich erleben Frauen mit 50-52 Jahren die Menopause, doch mindestens eine von hundert Frauen ist von vorzeitigen Wechseljahren betroffen, wenn die Menopause vor dem 40. Lebensjahr eintritt.
  3. Die Wechseljahre bei Männern werden Andropenie oder Andropause genannt. Androgene sind männliche Geschlechtshormone. Andropause bedeutet also “Tod des Mannes” – analog zu Menopause, “Tod der Periode”.
  4. Die Symptome der Wechseljahre bei Männern sind nicht so ausgeprägt wie bei Frauen, treten nur bei der Hälfte der Männer auf und entwickeln sich langsam über einige Jahre hinweg.